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Mein Kind soll auf ein Camp – alleine?

Eltern von CampteilnehmerInnen erzählen, warum es gut ist, loszulassen

Seit vielen Jahren bietet die Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe in Kooperation mit der Sonneninsel GmbH psychosoziale Nachsorge an, zum Beispiel im Rahmen von Insel-Camps. Verständlicherweise stehen der Teilnahme an einem der Camps oftmals Ängste und Befürchtungen der Eltern im Wege. Daniela K. und Oliver S., erfahrene Eltern von CampteilnehmerInnen, raten anderen Eltern dazu, ihren Kindern diese Chance dennoch zu ermöglichen.

„Mein Mann und ich haben, bevor wir Christian das erste Mal zu einem Nachsorge-Camp angemeldet haben, abgewogen zwischen unserer Angst um Christian und der Vorstellung, dass er Zeit mit Kindern verbringen kann, die dasselbe Schicksal teilen wie er. Dass er am Camp einer unter ‚Seinesgleichen‘ sein kann und nicht immer nur er der Langsamste ist, der niemals gewinnt“, erzählt Daniela K., Mutter des heute 12-jährigen Christian, der als Kleinkind an einem Hirntumor erkrankte.

Ähnlich beschreibt Oliver S., Vater von Constantin, der mittlerweile 21 Jahre alt und ebenfalls ehemaliger Hirntumorpatient ist, die Beweggründe, den damals 10-jährigen zu einem Nachsorge-Camp zu schicken: „Wir sahen es als etwas Positives, wo Gleichgesinnte sind, aber eben nicht im Spitalkontext. Wo die Kids unter sich sein können, wo alle gleich sind – egal, welche Einschränkung sie haben.“

Natürlich hatte auch die Eltern der Familie K. anfänglich Bedenken, und fragten sich: „Wie wird das sein? Was passiert da? Aber jedes Kind stürzt mal, oder tut sich weh.“ Oliver S. meint dazu: „Klar macht man sich seine Gedanken, aber große Befürchtungen im Vorfeld hatten wir im Grunde nicht. Wir hatten großes Vertrauen in das Team, weil es bestens qualifiziert ist und auch der Betreuungsschlüssel sehr hoch ist. Eine bessere Betreuung für unsere Kinder kann ich mir nicht vorstellen.“ Daher fahren drei von Constantins insgesamt vier Geschwistern ebenso begeistert wie ihr Bruder auf spezielle Nachsorge-Camps für Geschwister.

„Als wir Constantin dann zum Camp gebracht haben, war schon auch ein komisches Gefühl mit dabei, weil er quasi von einer 24-Stunden-Rundumbetreuung in die Selbstständigkeit entlassen wurde. Am Camp selbst sind wir alle herzlich empfangen worden und es hat sich gut angefühlt“, erzählt Oliver S. „Die ganzen Tage, wo er am Camp war, haben wir nichts von ihm gehört.“ So wie auch Daniela K., als Christian als 8-Jähriger zum ersten Mal am Camp teilgenommen hat. „Am sechsten Tag habe ICH es nicht mehr ausgehalten und habe Christian angerufen. Aber es war alles in Ordnung und er war total begeistert. Unser Sohn hatte gar keine Zeit, Heimweh zu haben, er hat die Zeit sehr genossen und viel Neues ausprobiert, zum Beispiel schnitzen. Daheim hätten wir sicher gesagt, das ist zu gefährlich, und es verboten. Jetzt wissen wir, dass er es kann und dass es ihm Spaß macht“, erzählt Daniela K.

„Constantin ist am Camp aufgeblüht“, erinnert sich auch Oliver S. „Beim Abholen haben wir bemerkt, wie wichtig und richtig es für ihn war, ihn einmal aus unserem Fokus zu nehmen.“

„Für Christian sind die Camps wie Urlaube, und für uns ist es schön zu sehen, dass nach der schwierigen Zeit auch wieder bessere Tage kommen!“, so Daniela K.

Redaktion: Jolande Peck-Himmel

Dieses Portrait ist in der Ausgabe SONNE 01/2019 erschienen.